Kultur und Tradition
Trutzhaven wurde vom seefahrenden Volk der Nordermark erbaut. In der Nordermark bestehen die Häuser aus Holz. Einer alten Tradition folgend ritzt die Familie erwähnenswerte Teile ihrer Geschichte in die Balken des Tores. Jeder Gast und jeder Fremde kann so schon vor dem Eintreten sehen, mit wem er es zu tun hat.
Diese alte Tradition setzte sich auch in Trutzhaven fort. Die ältesten Steinhäuser der Stadt tragen an den Sockeln, Seiten und Stürzen ihrer Türen in Runenschrift eingeritze alte Geschichten. Dies ist der Text, der sich an der Walburg, dem Sitz der Familie der Göreninge findet.
Von Gören, dem Steuermann Godeharts
Unter den Mannen des Häuptlings Godehardt war einer, der sich Gören nannte. Seine Sippe hatte grosse Güter in der Nordmark und war wegen ihrer Findigkeit berühmt. Viele seiner Vorväter hatten dem König das Thing geführt, und Godehardt verliess sich oft auf Görens Rat. Die Mannen Godehardts aber sagten von Gören, dass er sich besser auf den Schutz des Schildes verstehe, als auf den Gebrauch der Axt, denn er war kein Kämpfer sondern führte das Steuer auf Godehardts Schlagboot.
Zu der Zeit als die Nordmärker von dem grossen Marktschlag gegen die Rote Stadt zurückkehrten, und Godehardt befahl eine Veste auf der Insel vor dem Strom zu errichten, war Gören einer der Ersten, die an den Strand gelangten. Viele Männer, die als Häuptlinge in der Nordmark Ansehen hatten, waren Godehart auf diesen Marktschlag gefolgt. Als die Insel vor dem Strom nun besiedelt wurde entschlossen sie sich auf den Hügeln zu bauen, wie es in der Nordmark bei Männern ihres Ansehens üblich war. Gören aber siedelte an der Bucht, wo sie die Schlagboote aufgesetzt hatten. Und er baute sein Haus nicht aus aus Holz, sondern aus Stein. Seinen Anteil an Holz aber lagerte er auf, damit er trocken werden konnte, denn er war klug wie seine Vorväter.
Von der Art wie Gören seine Halle baute und wie er zu seinem Namen kam
Der Bau mit Stein ist mühevoll und langwierig, und als auch der Müssigste unter den Nordmarkern im Folgejahr seine hölzerne Halle errichtet hatte, setzte Gören noch die Grundsteine. Und als Godehardt nach dem zweiten Jahr den Pfahlwall rings um die Siedlung gezogen hatte, baute Gören auf seine Halle kein Dach, sondern eine weitere Halle. Auf diese stellte er im Folgejahr eine Weitere, so dass sein Haus die dreifache Höhe des Pfahlwalls erreichte, an dem Görens Halle stand.
In diesem Jahr kam Rijna, eine Isalbin, die Görens Frau war, und ihre Sippe über das Meer. Die Verwandten Rijnas hatten in der Nordmark grossen Ruf als Handwerker, und sie setzten in Görens Haus viele Gänge und Nischen zwischen die Mauern, die dem unbedachten Besucher nicht auffallen.
Zu dieser Zeit begann Gören aus dem Holz, dass er klug aufgelagert hatte, Boote zu bauen. Diese Boote machte er breiter als die Schlagboote der Nordmärker sind und gab ihnen auch mehr Tiefgang. Sieben Boote sandte er den Strom hinauf, und sieben weitere die Küste entlang auf der Suche nach Steinen. Und im vierten Jahr, als alle anderen Nordmärker auf der Insel vor dem Strom erstmals Holz auflegten um sich Schlagboote bauen zu können, kam Görens Flotte herbeigesegelt und brachte Baustein und Zwerge, die er mit Gold und gutgesetzten Worten angeworben hatte.
Diesen Stein aber macht er er Häuptling Godehardt zum Geschenk. Und aus diesem Stein wurde die erste Mauer um die Siedlung aufgebaut und die Zitadelle Godeharts errichtet. Aber der Zugang zum Hafen ging durch Görens Halle, denn diese war der stärkste Teil der Schutzmauer. Und als die Nordmarker sahen wieviel ihnen Gören nun voraushatte, gaben sie ihm den Namen Weitsicht Gören. Seine Halle aber nannten sie Wallburg.
Von der Totenhalle der Göreninge
Im zehnten Jahre der Siedlung auf der Insel vor dem Strom, benannte Godehardt die Veste Trutzhaven, und bestimmte dies solle nun der Name seines Geschlechtes sein. Viele Häuptlinge folgten seinem Beispiel und legten ihre alten Sippennamen ab, denn sie wollten in Trutzhaven bleiben, und ihre Familien dort stark werden sehen. In diesem Jahr brachte Mani der Rijna zwei Kinder. Die waren bleich von Angesicht und hatten rabenschwarzes Haar wie die Isalben und so erhielten sie die Namen Durenis und Forenis.Seinem Geschlecht aber gab Gören den Namen Van Wall, so knüpfte er das Schicksal seiner Sippe für immer an die Mauern Trutzhavens.
Weitsicht Gören hatte in der Wallburg viele Gänge und kleine Räume zwischen den Mauern anlegen lassen. Hier, so bestimmte er, solle die Grabstätte seiner Familie sein. Und als für ihn die Zeit zum Sterben kam, da brachten ihn Durenis und Forenis zwischen die Mauern, und versiegelten seine Grabkammer. Und sie gaben ihm keinen Grabschmuck mit, denn das war sein Gedanke: Solange die Göreninge in der Wallburg leben, wird die Macht und der Reichtum der Familie die Grabbeigabe aller Toten sein. Die Toten aber wachen in den Mauern mit dem Angesicht zum Meere über das Schicksal der Lebenden.
Godehardt: Nordmarker Häuptling, der den Angriff auf Daranath führte. Ahnherr der Sippe der Hardinge, aus der die Herrscher von Trutzhaven hervorgingen. Letzter bekannter Nachkomme: Sir Richard.
Thing: Gesetzgebender Rat der Würdigsten in der Nordermark. In Trutzhaven ging aus dem Thing die Versammlung der ehrbaren Kaufleute und Kapitäne hervor, die den Herrscher beratend und administrativ unterstützt.
Schlagboot: Flachkieliges Mehrriemenboot von unterschiedlicher Länge. Das typische Raubboot der Nordmarker. Der flache Kiel und die Unabhängigkeit vom Wind begründet den Ruf dieses Schiffstypus. Heutzutage das bevorzugte Kriegsschiff der Trutzhavener bei der Auseinandersetzung mit Landmächten.
Die Rote Stadt: Daranath
Trutzhavener achten entsprechend der Veranlagung ihrer Vorfahren das geschriebene Wort nicht sonderlich hoch. Sie wissen: Eine gute Geschichte kann nur erzählt werden. Aus diesem Grund gibt es in Trutzhaven eine Tadition der sogenannten “Ammengeschichten”, in denen die Mythologie und die Weisheiten der Vorväter tradiert werden.
Was die Amme dem kleinen Richard erzählte
Oben am Himmel steht die grosse Halle des Braumeisters Mani. Jeder Krieger, der sich in der Schlacht würdig erweist wird in Manis Halle aufgenommen, wo die Helden beim Bier sitzen. Jede Sippe hat in Manis Halle einen Tisch, und alle Vorväter sitzen beieinander und feiern Manis Bier. Wir hier unten sehen aber nur die Schaumkronen der Bierkrüge.
Wenn die Trutzhavener zur See fahren ersehen sie die Richtung die das Schlagboot nehmen muss aus den Tischen der Sippen. Die Göreninge sitzen in seewärtige Richtung, denn dies ist eine weitsichtige Sippe. Der Nordermark zu sitzen die Hardinge, die Sippe der alten Könige. Gegen Land aber, da wo Valariot liegt, ist der Tisch der Trutzinge, denn deine Sippe hat unser Schicksal an das der Valaren geknüpft.
Jede Nacht rollt Mani seinen Braukessel über den Himmel und schenkt allen Helden nach. Und so wird der Kessel stetig leerer, bis wir von hier unten nur noch die Neige sehen. Dann haben wir Braumond, und Trutzhaven braut sein Bier nur zu dieser Zeit. Von Nacht zu Nacht füllt sich nun Manis Braukessel wieder an, und die Vorväter müssen mit ihrem Teil sparsam sein. Manchmal geraten sie jedoch in Streit über uns hier unten. Das geschieht, wenn sie sehen, dass einer ihrer Sippe nicht tapfer ist, oder seine Pflichten vernachlässigt. Deshalb, Richard, sei immer tapfer und beherzt und sorge gut für die, deren Schicksal an deines geknüpft wurde. Sonst schleudern deine Vorväter ihre Krüge zornig durch Manis Halle, dass wir hier unten noch den Schaum spritzen sehen.
Die Münzlinge von Trutzhaven
„Das sag ich Papa, wenn er heimkommt! Dann werd ich's allen zeigen, der ist nämlich Trutzhavener!“ (Kindermund in allen Hafenstädten von Jarlow bis Trawonien)
Zu Beginn der Seefahrtzeit erhält ein jeder Trutzhavener, der eine Heuer hat vom Hafenamt eine Münze, auf der die uralte Sternkarte abgebildet ist, nach der sich schon die Vorväter der Trutzhavener orientierten, als sie ihre Langboote über die Meere der bekannten Welt navigierten. Jedem männlichen Kapitän, Maaten, Matrosen und Seesoldaten steht pro Jahr eine solche Münze zu; denn die Versammlung der Ehrbahren Kaufleute und Kapitäne weiß sehr wohl, dass es Abends in den Hafenstädten sehr gesellig werden kann und Trutzhavener sind schließlich dafür bekannt, bei den Damen einen gehörigen Schlag zu haben. Für den Fall, dass sich bei solchen Gelegenheiten die Geselligkeit in eine Zweisamkeit wandelt und sich mit aufkommendem Morgengrauen dann der Mann wieder aufs Meer begibt, ist er angewiesen, eine solche Münze auf dem Nachttisch zu hinterlassen. So kann sich eine eventuelle Konsequenz eines solchen Zwischenfalls - sobald es an der Zeit ist - in Trutzhaven ausweisen und sein (oder aber ihr) Bürgerrecht verlangen. Diese Kinder werden in Trutzhaven „Münzel“ oder „Münzlinge“ genannt. Einem jeden steht eine Ausbildung auf Kosten der Stadt und eine darauf folgende Anstellung zum Wohle der Stadt zu.
Die Godeländer - Ihre Geschichte
Vor mehr als 600 Jahren versank vor der Küste Valariots die Insel Godeland.
Nur wenige Ihrer Einwohner konnten fliehen. Sie landeten in der Seemark.
Der Herzog von Rothgenschild gewährte den Godeländern Obdach und gab ihnen
ein Stück Land an der Küste der Provinz Seemark. Die Godeländer, seit jeher Fischer und
Walfänger, ließen sich also nieder.
Schon bald zeigte sich, dass die Godeländer weitaus erfolgreichere Fischer
waren als die Einheimischen. Ihr Glaube an die eigenen Götter und den damit
verbunden Ritualen, ließ sie die größten Fischschwärme finden und die
mächtigsten Wale erlegen. So setzte sich der Keim des Neides in die Herzen
der Seemarker Fischer und sie gingen zum Herzog, um ihre Nachbarn der
Ketzerei und der Blasphemie wider Sigmars zu beschuldigen. Der Herzog befahl
den Godeländern daraufhin, ihrem Glauben abzuschwören und fortan Sigmar zu
huldigen. Schweren Herzens taten die Godeländer so, wie ihnen geheißen
wurde, doch bald schon blieben die Netze leer und die Wale schienen einen
weiten Bogen um die valarische Küste zu machen. Der Herzog war darüber sehr
erzürnt. Glaubte er doch, dass die störrischen Godeländer ihm absichtlich
den Fang vorenthalten würden. Um sie gefügig zu machen, erließ er eine
Steuer, die ein Fischer entrichten musste, wenn er ohne Fang nach Hause kam,
die "Leere-Netze-Steuer". So kam es, dass die ehemals erfolgreichen
godeländer Fischer immer mehr verarmten. Bald schon blieb Boot um Boot
draußen auf See und ganze Familien verschwanden spurlos.
Diese Fischer versuchten sich in der freien Stadt Trutzhaven anzusiedeln.
Die Stadtherren, gute Nachbarn der Seemark, wollten jedoch keinen Streit mit
derer von Rothgenschild, so dass sie den Godeländern das Asyl verwehrten.
Jedoch unternahmen sie auch nichts gegen die rasch wachsende Ansiedlung am
Fuß der Mauer. Die Seemark schien sich nicht mehr für die Godeländer zu
interessieren und bald schon bildete sich ein kleines, buntes Dorf direkt
unter den Zinnen der Stadt. Wahlfänger, Trankocher, ehemalige Piraten und
Seeleute aller Art siedelten sich dort an. Handwerker, die mit ihren Gilden
Probleme hatten, siedelten sich kurzerhand außerhalb der Mauern an. Doch die
Haupteinnahmequelle blieb der Walfang und der daraus gewonnene Tran. Frei
von kirchlichen Zwängen blühte der Walfang auf und bald schon umgab das
kleine Dorf der eigentümliche Geruch des kochenden Trans. Aus den Hütten
wurden Häuser aus den lehmigen Wegen wurden steinerne Straßen.
Godebüttel war geboren.
Piraten wurde ehrbare Seeleute. Ehemalige Gauner und Halsabschneider waren
nun ehrbare Kaufleute. Über allem wachten die Godeländer um Recht und
Gesetz. Sie sorgten dafür, dass das wilde Volk in Godebüttel sich
ordentlich benahm. Der Godeduft blieb nicht nur über Godebüttel, sondern
verstärkte sich Jahr um Jahr und die Trutzhavener Kaufleute neideten den
Nachbarn vor den Mauern den wachsenden Reichtum und so beschwerten sie sich
bei den Stadtvätern, dass die Godebütteler keine Steuern zahlen würden.
Diese erwiderten jedoch, dass sie auch nicht innerhalb der Stadtgrenzen
leben würden und auch keine Stadtrechte hätten somit auch keine Steuern
zahlen müssten. So kam es, dass sich die hundert-meter-hohen Mauern auch um
Godebüttel schlossen und den Godeländern umfassende Stadtrechte eingeräumt
wurden. Die Godeländer wurden Trutzhavener.