Feiertage
Fassrollfest im Frühjahr
Was wird gefeiert: Wenn das Meer wieder eisfrei ist und die
Frühjahrstörme nicht mehr ganz so wild über das Wasser brausen, machen
die Trutzhavener ihre Schiffe wieder seeklar und bereiten die nächsten
Reisen vor. Dies ist die Zeit große Pläne zu machen,
Abschied von der Heimat zu feiern und auch
für Besinnlichkeit - denn für Einige wird es die letzte Reise sein, die
die See ist tückisch und voller Gefahren. Kennzeichnend für das
Seeklarmachen eines Schiffes ist die Beladung mit Fässern zwecks
Verproviantierung. Unmengen an Fässern werden in diesen Tagen durch die
Straßen in Richtung Hafen gerollt. Daher hat das Fest seinen Namen.
Wie wird gefeiert: Das Fassrollfest dauert eine Woche an. In dieser Zeit
bleiben die Stadttore für Auswärtige geschloissen und kein Schiff kann
einlaufen. Die Trutzhavener wollen in dieser Zeit unter sich sein. vom
valarischen Ufer aus sieht man nächtens den rötlichen Schein von Feuern
über die Mauern leuchten und der Seewind treibt Gesang und Gegröle
herüber. Die wenigen Auswärtigen, die Zeuge dieser Feierlichkeiten
waren, berichten, dass in dieser Zeit in den Straßen gesungen, getanzt
und getrunken wird, und alle Trutzhavener sich vor Lebensfreude oder
Abschiedschmerz in den Armen liegen. Das Faßrollfest endet mit
'Ankerauf' - am Morgen des siebten Tages findet sich die gesamte
Bürgerschaft am Hafenkai ein und schaut schweigend der Ausfahrt der
Schiffe zu. Die wenigen Berichte, die es über 'Ankerauf' gibt, lassen
erahnen um was für eine gespenstische Szene es sich dabei handeln muss.
Kunruz im Sommer
Was wird gefeiert: Mit diesem Fest, das einem komplexen und
metaphernbeladenem Ritus folgt, feiern die Trutzhaverner den Sieg über
die Truppen der Schatten, die der Ork Kunruz auf die Insel geführt
hatte. Das Fest dauert drei Tage und jeder Tag wird anders begangen.
Wie wird gefeiert: Den Anfang macht die Kunruzparade, bei der eine Schar
von orkähnlich verkleideten Trutzhvenern mit viel Gebrüll unter den
Schmähungen der Bürger vom Kunruztempel aus durchs Nordtor in die Stadt
einzieht. Die Bürger machen sich einen Spaß daraus vor den vorgeblichen
Orken auszubüxen und lachend in ihre Häuser zu fliehen. Die 'Orks'
werfen währenddessen mit Süßgebäck und Naschwerk nach den Kindern. Am
Abend des ersten Tages setzen sich die Familien in ihren Häusern
zusammen, essen karge Kost und erzählen sich bis spät in die Nacht
Geschichten darüber, wie schlimm es damals war.
Der zweite Tag, der 'Bundtag' besteht hauptsächlich aus Ansprachen der
Mitglieder der Versammlung, welche die tiefe Verbundenheit Trutzhavens
zum Reich betonen und manchmal auch griffige Details dieser Beziehung
ironisch ausleuchten und auf die Schippe nehmen. Am Abend finden Bälle
und Tanzfeste statt und orkähnliche Puppen werden im Rahmen prächtiger
Feuerwerke angezündet.
Der dritte Tag hat die Bezeichnung 'Schätzung' und erinnert an die
Ankunft der valarischen Steuerbeamten. An diesem Tag legen die
Trutzhavener ihre schlichteste, man kan schon sagen: ärmlichste Kleidung
an, klagen über ihre Armut, versuchen, ihre Mitbürger azupumpen und
bestreiten inbrünstig, irgendetwas außer Schulden zu besitzen.
Alletage im Herbst
Was wird gefeiert: Der Ursprung dieses alten, eine Woche umfassenden
Festes, liegt im Dunkel der Zeit verborgen. Es scheint etwas mit der
Herkunft der Trutzhavener von den alten Nordleuten zu tun zu haben.
darauf deutet jedenfalls der Name hin, der sich vermutlich vom Begriff
'Oledoog' ableitet, was in der alten Sprache sowas wie "Alte Tage" oder
"Tage der Alten" bedeutet und wohl auf eine Art Gedenkfest zu Ehren der
Toten hindeutet. Alletage besteht eigentlich aus mehreren, nahezu
gleichzeitig ablaufenden Festen, deren Ursprung nicht vollständig zu
klären ist.
Wie wird gefeiert: In dieser Zeit ist die Stadt in erster Linie von den
prächtigen Umzügen geprägt, bei denen die Trutzhavener riesige
Papierfiguren von Oktopoden durch die Straßen tragen. In den
Hauseingängen der älteren Häuser stehen Geschichtenerzähler und geben
Sagas aus der Zeit der Stadtgründung zum besten. An den Straßenecken und
auf den Plätzen sind Bühnen aufgebaut, wo die traditionellen Tanzgruppen
den 'Molluskentanz' aufführen und die Chöre singen dazu alte,
schwermütige, unverständliche Weisen.
Eine beliebte Sitte ist es, während Alletage geschmacklose, kalte,
glibbrige Sülz-Würste zu verspeisen. Dieses merkwürdige Gericht wird
'Grodeole' genannt und es heißt, der Geschmack sei so widerlich, dass
man ihn sofort vergisst.
Ein sehr junger Brauch ist das sogenannte 'Soek', ein Bestandteil der
Alletage, der erst von wenigen Jahren aufkam. Dabei ziehen die Kinder
von Haus zu Haus und tragen Verse vor. Sehr verbreitet ist das Lied von
'Lütt Richard', das sich auf den Tod Richards von Trutzhaven bezieht:
'Lütt Richard, Lütt Richard wo büs du nur bleven? Lütt Richard, Lütt
Richard, büs du all am leven? Muggelig is, wo du nu büs! Buten in
Utgard, dal bi de Skeven." Diese Vorträge werden von den Hausbewohnern
mit der Überreichung kleiner Figuren aus Kuchen oder Zuckerwerk belohnt.



