Das Wappen der freien Stadt Trutzhaven

Der große Krieg

Elf mal elf mal elf Jahre sind vergangen, seit der große Krieg ausbrach. Die Menschen damals sagten, es sei der Krieg, der das Ende aller Kriege bedeuten würde. Doch wie Jedermann weiß, kam alles ganz anders.
Wie dieser Krieg ausbrach, ist nicht überliefert, auch ein Sieger war am Ende nicht auszumachen. Alles, was von diesem Krieg übrigblieb, waren Zerstörung, Leid und ein paar Ruinen - nun ja, und Trutzhaven.
Damals, in der alten Zeit, als noch niemand an die Schatten dachte, lag unweit der Mündung des Flusses Valon ein Handelszentrum, wie es noch heute seines gleichen sucht. Daranath, erbaut aus rotem Marmor, beherrschend im Seehandel der alten Tage.
Doch Erfolg hat Neider. Die Nordmärker, ebenfalls ein Volk von Seefahrern, waren drauf und dran, Daranath seine Vormachtstellung abzujagen, nicht zuletzt aufgrund dessen, daß einige Schiffe, die Daranath zu erreichen trachteten, von Piraten aufgebracht, geplündert und versenkt wurden. Gerüchten zufolge waren die Nordmärker mit den Piraten im Bunde, weshalb diese die Nordermark-Schiffe ziehen ließen.
Ein Krieg begann, der sich verheerend für beide Kulturen erweisen sollte. Anfangs konnte Daranath sich zunächst die Oberhand sichern, als eine große Flotte, unterstütz von einigen Elfenschiffen, die Hauptflotte der Nordermark vernichtend, jedoch unter großen Verlusten schlug.
Doch das Kriegsglück ist eine launische Hure, die nur allzu gern die Betten wechselt. Als die stark angeschlagene Flotte sich sicher im heimischen Hafen wähnte, fiel der größte Teil der Sabotage einiger Nordmärker Agenten zum Opfer, die im Schutze der Nacht an die Schiffe heranruderten und sie in Brand setzten. Mehr als die Hälfte der noch verbliebenen Schiffe versanken, der Rest verblieb, nicht mehr seetauglich, im Hafen.
So war der Weg nach Daranath geebnet, doch die Nordmärker zögerten. Statt die Hafenfeste einige Meilen stromaufwärts direkt anzugreifen, entschloß man sich zu einem anderen Schritt, man errichtete auf der Mündungsinsel, die man eiligst trockenlegte und somit dem Sumpfland im Süden abrang, eine Seefeste, die dazu diente, die Mündung des Valon zu blockieren und Daranath von seinen Handelspartnern abzuschneiden.
Eine gewaltige Burg entstand, die zum Teil von Elben, zum Teil von Menschen und zum Teil sogar von Zwergen geplant und errichtet wurde. Ihr Name sollte Trutzhaven lauten, oder Dul'agaband in der Sprache der Elben. Noch heute ist der Einfluß der beiden nichtmenschlichen Völker in den Straßen, Häusern und auch der großen Burg eindeutig zu erkennen.
Der Krieg dauerte an, jetzt jedoch war deutlich die Nordmärker Überlegenheit zu spüren. Daranath, seiner größten Resource beraubt, siechte dahin, verarmte in dem verzweifelten Versuch, sich gegen die aufbegehrenden Nordmärker zu verteidigen. Am Ende war man sogar gezwungen, sich Caldor zu unterwerfen, um den nötigen Schutz zu erhalten. Das einst stolze Daranath mußte betteln.
Doch auch in der Nordermark herrschte Verwirrung. Hochkönig Eldebrandt, der die Nordermark mit harter Hand regiert hatte, starb und hinterließ dem Reich den noch immer währenden Krieg gegen Daranath und Caldor, sowie einen Nachfolgestreit unter seinen Provinzbaronen, da seine Ehe mit Königin Mathilde kinderlos geblieben war.
Caldor versuchte, mit den Nordmärkern einen Friedensvertrag auszuhandeln, da man mit den internen Problemen des Reiches mehr als genug beschäftigt war und auf die Verteidigung des unerwünschten neuen Untertanen Daranath gern verzichten wollte. Doch die Nordermark, noch immer in der Starre des Nachfolgestreits, reagierte auf keine Depesche, niemand empfing die Abgesandten Caldors.

Der tausendjährige Friede

In Trutzhaven beobachtete man die Entwicklung in der Heimat mit Argwohn. Die Barone der Nordermark zogen ihre Schiffe ab, um im Falle eines Nachfolgekrieges gerüstet zu sein und hinterließen die Burg und die Stadt seeseitig angreifbar.
Godehardt van Trutzhaven, der Wart der Burg und somit auch Regent der Stadt, Bastard des verstorbenen Eldebrandt, zog sich in die Turmkammer der Zitadelle zurück, einen Monat meditierte er, bat die Götter um Rat, wog die Lage ab. Dann trat er vor die Truppen und Bürger Trutzhavens und verkündete seinen Entschluß.
Trutzhaven sagte sich von der Nordermark los, noch bevor dort der Nachfolgekrieg ausbrach und die Nordermark unterging. Godehardt reiste persönlich nach Caldor, um Frieden zu schließen. Der tausendjährige Friede begann, der sich sowohl für Caldor, als auch für Trutzhaven als äußerst fruchtbar herausstellen sollte. Trutzhaven konnte sich nun wieder gänzlich darauf konzentrieren, eine Flotte zu bauen, um sich gegen seewärtige Feinde verteidigen zu können, während Caldor den Valon wieder als Handelsweg nutzen konnte, ohne Angst haben zu müssen, daß Feinde den Strom hinaufsegelten.

Die Herrschaft der Schatten

Daranath siechte weiter, denn Caldor begann mit dem Bau der Hafenstadt Halvor, die zwei dutzend Meilen weiter landeinwärts errichtet wurde. Der rote Marmor und all der Reichtum schwanden dann endgültig, als der Schatten über die Lande kam. Daranath fiel als eine der ersten Städte Caldors, überfallen, geplündert und geschliffen von einer gewaltigen Horde Scharfzahn-Orks aus den Sümpfen im Süden.
Trutzhaven hielt dem Ansturm der Horden nur Stand, weil diese nicht in der Lage waren, über den Fluß auf die Mündungsinsel zu gelangen, ohne von der Burg aus unter Feuer genommen zu werden. Die besondere Lage Trutzhavens, die die Stadt bereits einen Krieg uneinnehmbar überstehen ließ, erwies sich auch diesmal wieder als ausreichender Schutz.
Eldehardt van Trutzhaven, direkter Nachfahr Godehardts, Wart der Burg, sandte eine Depesche an den Herzog von Halvor, um ihm seine Hilfe anzudienen, doch diese Depesche sollte niemals dort eintreffen. So kam es, daß man die Trutzhavener für Verräter hielt, als auch Halvor fiel. Und Halvor folgte Caldor, das Reich war vernichtet, die Schatten regierten.
Eldehardt und seinen Söhnen blieb nichts weiter, als Trutzhaven weiter zu verstärken und zu verteidigen. Die Bürger von Trutzhaven, schon immer für ihren Starrsinn und ihren Kampfeswillen bekannt, überdaurten die Regentschafft der Schatten unter großen Mühen und mit viel Glück.
Doch die Nacht wurde vertrieben. Die Schattenstürmer schickten sich an, die Schatten zu bekämpfen, errangen erste Siege, setzten ein Zeichen. Wieder sandte der Wart der Burg, Richardt, Urenkel Eldehardts, Boten aus, um seine Hilfe im Kampf anzubieten. Und wieder sollten die Depeschen verlorengehen.
Auch ohne die Trutzhavener, die eine große Hilfe hätten sein können, gelang es den Schattenstürmern, das Land zu säubern. Auch wenn sich noch viele Enklaven der Orks in den abgelegenen, schwer erreichbaren Winkeln des westliche Valariot, wie das Reich nun hieß, befanden, konnte man das Land doch trotz allem als befreit bezeichnen.
Die Trutzhavener hatten nur noch zwei Feinde zu fürchten: Den Schwarzmagier aus dem Daranathwald und die Orks aus den Scharfzahn-Sümpfen. Eine Streitmacht aus den Truppen des Schwarzmagiers und Orks gelangte auf die Mündungsinsel und belagerte Trutzhaven, untergrub die Stadtmauern und schickte sich an, in die Stadt einzudringen.

Prinz Hagen und die Garde

Zu dieser Zeit war Prinz Hagen, mit einer Abteilung seiner besten Ritter und einigen hundert Kämpen, auf der Jagd nach dem Schwarzmagier des Daranathwaldes. Seine Kundschafter berichteten von der Belagerung und schnell stand sein Entschluß fest: Auch den Trutzhavenern sollte geholfen werden, allem Mißtrauen und altem Haß zum Trotz.
Am Morgen des ersten Herbsttages im Jahr 25 ndS war es dann soweit. Den Orks war es gelungen, eine Bresche in die Mauern der Stadt zu schlagen, doch dabei waren sie nachlässig geworden und achteten nicht genug auf ihren Rücken. Hagens Armee setzte über den Fluß und fiel den Orks, die bereits unter der Last eines Trutzhavener Ausfalls litten, in die hintere Flanke.
Eine Schlacht von geradezu epischen Ausmaßen begann. Tausende und abertausende Orks, eingekeilt zwischen wutentbrant rasenden Trutzhavenern, entschlossenen und kampfgestählten Soldaten Prinz Hagens und dem offenen Meer kämpften wie Ratten um ihr Leben, während die Truppen der Menschen die Reihen schlossen und Schulter an Schulter der Bedrohung entgegenstürmten. Ein erbitterter Kampf Mann gegen Ork entbrannte.
Und so begab es sich also, daß Prinz Hagen, abgeschnitten von seinen Mannen, dem General der Scharfzahn-Orks, Kunruz Schädelspalter, gegenüberstand. Mit seinen siebzehn Lenzen fast noch ein Knabe, stand er einem Berg von einem Ork gegenüber, der aussah, als könne er ihn mit einer Hand zerquetschen.
Doch Hagen stand nicht allein. Isenhardt van Trutzhaven, einer der Hauptleute der Truppen, die den Ausfall gewagt hatten, stieß zu dem ungleichen Kampf. Doch so sehr sich die beiden auch bemühten, so verzweifelt sie auch versuchten, Kunruz zu schlagen, der Ork erwies sich als zu stark. Isenhardt, beinahe tödlich getroffen, ging zu Boden und der Prinz stand wieder allein.
Schon machte sich Kunruz bereit, auch seinem zweiten Gegner den Garaus zu machen, den tapfer kämpfenden Hagen zu zermalmen, als ein Wink des Schicksals Isenhardts Brüder zu diesem ungleichen Kampf führte. Sie sahen ihren am Boden liegenden Bruder, sahen den Prinzen, der sich, ebenfalls verletzt, bemühte, der Wucht der Schläge des Orks standzuhalten, sahen, wie Prinz Hagens Waffe brach.
Und so stürtzen sie sich auf den Ork, hieben auf ihn ein, rangen ihn nieder. Doch auch sie mußten dabei Blut zollen, wurden zurückgedrängt, stürmten wieder an, wurden wieder zurückgedrängt und stürmten wieder an. Kunruz sah, daß sich seine Garde näherte und triumphierte. Doch in seinem Triumph wurde er überheblich.
Er lachte lauthals auf, als er sich auf Prinz Hagen stürzte, ihn unter seinem Gewicht begrub. Doch seine siegessicheren Züge verwandelten sich in Erstaunen, als er ungläubig an sich herabblickte und die Wunde sah, die Isenhardts Waffe gerissen hatte. Bereits den Tod vor Augen, hatte Isenhardt Hagen sein Schwert gegeben, daß dieser dem Ork entgegenstreckte, Kunruz war genau hineingestürzt.
Als die Orks sahen, daß ihr übermächtiger Führer gefallen war, machte sich erste Resignation breit. Als sie dann auch noch bemerken mußten, daß der Schwarzmagier des Daranathwaldes geflohen war, war ihr Schicksal besiegelt. Hunderte starben auf ihren Knien, vergeblich um Gnade winselnd, Hunderte ertranken im Meer bei ihrem Versuch, der Mündungsinsel zu entkommen, Tausende wurde von den Truppen aus Schattenstürmern und Trutzhavenern im Kampf erschlagen.
Isenhardt und Hagen wurden unter dem Schutz der Brüder nach Trutzhaven hineingebracht, um ihre Wunden zu versorgen, während Hagens Truppen jubelnd empfangen wurden. Trutzhaven war nicht gefallen und ein Bund war geschlossen, der mehr zählt, als jeder Treueschwur.

Trutzhaven Heute

An der Stelle, an der Kunruz getötet wurde, wurde zu Sigmars Ehren und zum Dank ein Tempel gestiftet, in dessen Nähe sich das Dorf Orkenend ansiedelte, das sich bald zu einer der besten Werftstätten des Reiches entwickelte. Leider hält sich in Orkenend auch sehr viel Volk auf, welches in den Mauern Trutzhavens nicht geduldet wird.
Trotz des gemeinsamen Sieges herrscht noch immer viel Mißtrauen zwischen den Bürgern Valariots und den Trutzhavenern, auch wenn sich viele Angehörige beider Völker bemühen, diese Hürde abzubauen. Doch jahrhundertelanger Haß stirbt nunmal nicht so schnell.
Schon immer war Trutzhaven auch eine Stadt, in der sowohl Elfen als auch Zwerge zu Hause waren. Daran hat sich auch heute nichts geändert, neben den menschlichen Trutzhavenern leben in der Stadt ungefähr ein Zehnt Elben und ein Zehnt Zwerge. Andere Rassen sieht man hier jedoch kaum, einzig dieMitglieder der Ingeniuersgilde der Gnome, die viel zum Bau und zur Instandhaltung der Burg beigetragen haben, sind gelegentlich auf den Straßen anzutreffen.
Unter der Regentschaft Sieghardts von Trutzhaven trat die Stadt als freie Stadt dem Reiche Valariot bei.
Nach dem Tod des ruhmreichen und bislang letztem Regenten Richard von Trutzhaven werden die Regierungsgeschäfte von der Versammlung der ehrbaren Kaufleute und Kapitäne wahrgenommen.
Die verwaiste Burg wird verwaltet und instandgehalten vom Major Domus Albis Otison aus Trutzhaven.
In der Bevölkerung ist der Ruf nach einem neuen Regenten verstummt. Die Mehrheit der Einwohner sehnt sich keinesfalls nach einem unbekannten Erben von Richard, da das Ansehen und die Beliebtheit Richards wohl kaum von Irgendjemandem erreicht werden könnte. Vielmehr melden sich immer wieder Stimmen zu Wort, die einen ehrenwerten Bürger zum Regenten wählen lassen wollen. Auch bei den Kaufleuten und Kapitänen gewinnt diese Idee mehr und mehr Anhänger.

Die Trutzhavener Kriegsflagge