Das Kontor
Ich stimme der Vermutung des ehrenwerten Admirals zu, dass es vorteilhaft ist, aus städtischen Mitteln die Erhaltung der Westfassade unseres Familienstammsitzes zu bestreiten, nur weil diese zufällig identisch ist, mit der Stadtmauer im Bereich des Großen Tores. Nur, soll ich mich entscheiden, dieses Aushängeschild, diesen ersten Eindruck, den der Fremde hat von Trutzhaven, verkommen zu lassen? Zu wem meint ihr, sollen die Hunderte von Auswärtigen, die täglich das Große Tor passieren denken, dass sie kommen? Zu den Sklaven des Goldes oder zu den Herren des Goldes? (Der hochehrwürdige Hafenadmiral Jannis van Wal, Hauptkontor vor dem Ausschuß der Mauergrafen)
Zweihundert steinerne Lagerhäuser umstehen die Hafenanlagen von Trutzhaven. Alle Waren, die in Trutzhaven angelandet werden, lassen die Kapitäne in diese Speicher verbringen. Die Stadt selbst verfügt über fünfzig, nach Gütern aufgeteilte Lagerhäuser, die von der „Kontor“ genannten Hafen- und Einfuhrbehörde verwaltet wird. Die übrigen Lagerhäuser gehören den großen Sippen oder verschiedenen Konsortien. Ist die Ware in ein Kontor verbracht, meldet der Inhaber die Güter den Beamten der Einfuhrbehörde, den sogenannten Kontoren. Ein Kontor überzeugt sich dann von der Güte und Menge der Ware und stellt eine Urkunde über die Erlaubnis zum Weiterhandel aus. Die hierfür entrichteten Zölle und Abgaben machen etwa ein Viertel der regelmäßigen Einnahmen Trutzhavens aus. Erst diese Urkunden ermöglichen es dem Besitzer der Waren mit seinen Gütern weiterzuhandeln. Die Kontore wachen über alles was im Hafen ein- und ausgeht, sei es über See, oder durch das Große Tor, das unter der Walburg in die Stadt führt. Häufig haben die Kontore eher Nachricht vom Eintreffen der Waren, als die Empfänger selbst, denn Tag und Nacht kreuzen mehrere Dutzend Schlagboote auf den Seewegen weit vor Trutzhaven, und erfassen die einkommenden Schiffe und ihre Ladungen. Der Hauptkontor, Vorsitzender der Hafenbehörde, der aus der Versammlung der ehrbaren Kaufleute und Kapitäne gewählt wird, ist somit auch immer gleichzeitig Hafenadmiral, ein Titel, der von den militärischen und anderen nautischen Admiralen natürlich ein wenig belächelt wird.
Hafen und Lagerhäuser: Hunderte von kleinen emsigen Ruderbooten schwirren unermüdlich zwischen den Ankerplätzen der Schiffe und den Lagerhäusern des Hafens hin und her und be- und entladen die fremden und einheimischen Galleonen, Schaluppen, Koggen, Ewer und Trutzen. Auf vielen dieser Schiffe fahren die Kontore genannten Beamten der Hafenbehörde schon mit und prüfen die Waren auf Güte und Menge. Der Leiter der Hafenbehörde trägt den Titel „Hauptkontor“.
Trutzhavender Sprüche: „Das ist eingspeichert und beurkundet“ ( Etwas ist sicher und nicht anzweifelbar)
Die hohe Tafel
Wer seinen Gegner mit dem Schwert bezwingt, erhält einen Feind. Wer ihn durch Handel und Geschäft bezwingt, einem Angestellten (Alte Trutzhavener Weisheit)
Das Doppelportal der Hohen Tafel wird jeden Morgen zu Sonnenaufgang geöffnet. Händler, Kapitäne und die Vertreter der Trutzhavener Sippen finden sich im großen Kuppelsaal ein, um ihr Warenangebot von den Beamten der Handelsbehörde erfassen zu lassen. Die Angebote werden mit Kreide an der riesigen Schiefertafel eingezeichnet, welche die gesamte Wand des Saales einnimmt. Die Beamten der Hohen Tafel nehmen nur Angebote „zu Hundert“ an, der Anbieter muß also mindestens hundert Schock an Getreide oder hundert Ballen an Stoff oder aber Hundert Fässer an Rum abzugeben haben, die in den Kontoren am Hafen eingelagert sind. Den Nachweis über den tatsächlichen Besitz und die Güte dieser Waren, haben die Anbieter der Tafel gegenüber anhand der Urkunden des Kontors nachzuweisen. Häufig schließen sich mehrere Anbieter zu einem sogenannten Konsortium zusammen, um auf die erforderliche Menge zu kommen. Für solcherlei Absprachen stehen die kleinen aber gemütlich eingerichteten Konsortienräume zur Verfügung, die vom Kuppelsaal abgehen und in denen so manches vorteilhafte Geschäft beschlossen wird. Die hohe Tafel schließt mit ihrer Rückseite direkt an die Rückseite des Versammlungsgebäudes der ehrenwerten Kaufleute und Kapitäne an, man kann sagen, sie stehen „Rücken an Rücken“. Der „Goldene Anker“, die Taverne, die dem Versammlungshaus der ehrenwerten Kaufleute und Kapitäne direkt gegenüber gelegen ist, sorgt für das leibliche Wohl der Kaufleute; denn Handel macht hungrig. Somit ist Albis meist der bestinformierteste Mann in ganz Trutzhaven, denn er läßt es sich nicht nehmen, die Bewirtung in besonders „interessanten“ Konsortienräumen höchstpersönlich zu übernehmen. Pünktlich zum Sonnenuntergang beendet ein dreimaliges Läuten der Großen Glocke über dem Doppelportal alle Geschäfte und die Hohe Tafel schließt ihre Pforten. Dieses Läuten zeigt jedem Trutzhavener an, daß die Abendstunden beginnen und alle schwarzgekleideten Beamten der Stadt eilen nach Hause zu ihren Familien. Die auswärtigen Kaufleute aber, genau wie die heimatfernen Kapitäne begeben sich in die Tavernen um einen erfolgreichen Geschäftstag trinkfest zu beschließen. Manch ein besonders wagemutiger Auswärtiger mag sich sogar noch zu einem kleinen Ausflug ins aufregende und exotische Nachtleben von Orkenend hinreißen lassen.
Die Hohe Tafel: Umschlagplatz für alle Waren die im Hafen gelagert werden, Verwaltung durch die Einhundert Beamten der Hohen Tafel, beaufsichtigt vom zuständigen Rat mit dem Titel „Haupttafel“
Trutzhavener Sprüche: „Das weiß ich zu Hundert“ (Jemand ist sich einer Tatsache absolut sicher); „Das ist zu Hundert erledigt“ (Eine Aufgabe ist beendet/völlig erfüllt); „Weiß der Albis“ (Sowas kann doch keiner wissen); „Jetzt schlägts drei“ (Etwas geht zu Ende - die Geduld beispielsweise); „Ich habe die Tafel gewischt“ (Mit etwas abgeschlossen haben)
Orkenend
Schmuggel? Wir haben gar nichts gegen Schmuggel. Findigkeit, Risikobereitschaft, Eigeninitiative, die Tugenden des Schmugglers entsprechen denen des Handelsherren. Nein, Schmuggel, sowas schätzen wir sehr, am liebsten machen wir es sogar selbst. (Die hochehrwürdige Rieke van Dam, Haupttafel zu einem auswärtigen Kapitän)
Dieser pittoreske Hafenort ist etwa eine Viertelstunde entschlossenen Fußmarsches von den Mauern Trutzhavens entfernt. Man erreicht ihn, durch das Orkentor tretend über einen gut ausgeleuchteten und gepflasterten Weg. Auswärtige Besucher sollten sich versichern, daß sie alle notwendigen Papiere anhand derer sie sich ausweisen können mit sich führen, wenn sie diesen Weg gehen. Die Wachen am Nordtor sind angewiesen, niemanden passieren zu lassen, der aus Orkenend kommend Einlaß begehrt, wenn er sich nicht ausweisen kann. Viel Gelichter treibt sich in Orkenend herum. Eigentlich besteht die Orkenender Bevölkerung ausschließlich aus fragwürdigen Gestalten. Denn Orkenend ist mitnichten einfach eine Ansammlung von Werften, auf denen unter Beteiligung fleißiger Zwerge und erfinderischer Gnome die schwierigsten Schiffsaufbereitungen in kürzester Zeit vollbracht werden. Die Arbeiter der Werften verlassen Orkenend meist bei Sonnenuntergang. Nachts besteht Orkenend praktisch nur aus Tavernen, Spiel- und Rauschhäusern und Etablissements von, untertrieben ausgedrückt, zweifelhaften Ruf. Es ist ein Tummelplatz von zwangsweise abgemusterten Matrosen und ausgesetzten Fahrensleuten, die auf eine Anmusterung bei einem der im Schutz der Dunkelheit ohne Positionslampen und Ruderschlag anlandenden fremdländischen Schiffe zweifelhafter Herkunft hoffen, deren verschwiegene Kapitäne weder nach Herkunft noch nach Gewissen fragen. Treulose Hausdiener, des Unterschlags überführte Stadtbeamte, trunksüchtige Medikusse, Abenteurer und Herumtreiber aller Nationen und Rassen bevölkern die engen Gassen jenseits des Kunruztempels. Im Schutze der Dunkelheit wird an den schattigen Anlegern so manche exotische Ware von unbeflaggten Schiffen entladen, die noch auf der Pier per verstohlenem Händedruck den Besitzer wechselt. Orkenend scheint ein rechtloser Ort, doch auch hier wacht Trutzhaven. Als Bettler, trunkene Matrosen, Wogenstreifer oder Bordsteinschwalben getarnte Beamte der Mauergrafen haben ein Auge auf die Umtriebe und manch eine Goldmünze, die bei derartigen Geschäften den Besitzer wechselt ist vom Rat der ehrbaren Kaufleute und Kapitäne selbst abgesegnet worden.
Orkenend: Tagsüber eher geprägt vom regen Treiben auf den Werften, Nachts wird der Ort erst lebendig. Versorgt wird Orkenend von dem nicht abreißenden Strom unbeflaggter Schiffe, die den Pier auch ohne Positionsbeleuchtung finden und exotische Spezereien aus aller Herren Länder unter Umgehung der hohen Trutzhavener Zölle anlanden.
Trutzhavener Sprüche: „Damit komme ich durchs Nordtor“ (Ich bin gut vorbereitet); „Trag das doch nach Orkenend“ (Sieh zu das es auf Nimmerwiedersehen verschwindet).
weitere wichtige Orte
Goldener Anker
Das Gasthaus von Albis Otison und Greta
Die Burg
Zur Zeit verwaist, wird von Albis verwaltet



